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Warum wir das Fahrrad einem Vulkanausbruch vor über 200 Jahren verdanken

Was hat ein Vulkanausbruch mit der Erfindung des Fahrrads zu tun?
Was hat ein Vulkanausbruch in Indonesien vor rund 200 Jahren mit der Erfindung des Fahrrads
zu tun?

Frage: Was hat ein Vulkanausbruch in Indonesien vor rund 200 Jahren mit der Erfindung des Fahrrads zu tun? Wer jetzt ratlos mit den Schultern zuckt, gönnt sich etwa zehn Minuten Zeit und liest unsere kurze Geschichte von den Anfängen des Rades bis zur Erfolgsstory der heutigen Bikes. Sie beginnt mit dem Einfallsreichtum des badischen Forstbeamten Karl Drais und der faszinierenden Erfindung seiner später „Draisine“ genannten Laufmaschine. Neugierig geworden? Einfach weiter lesen – es wird spannend …

5. April 1815: Auf der indonesischen Insel Sumbawa bricht der Vulkan Tambora aus. Dabei werden ungefähr 150 Kubikkilometer Staub und Asche in die Atmosphäre geschleudert und verteilen sich in folgenden Monaten und Jahren als Schleier über weite Teile des Erdballs. Das Ergebnis: eine der größten Umweltkatastrophen der Menschheitsgeschichte. Als Folge dieses Ereignisses litten der Norden der Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und große Teile von Europa unter erheblichen Ernteausfällen und Hungersnöten.

Speziell in Deutschland fiel aus diesem Grund 1816 zum Beispiel die Haferernte fast vollständig aus. Diese Situation führte zu einer enormen Futtermittelknappheit, durch die zahllose Pferde geschlachtet werden mussten – was im Zeitalter der Postkutsche starke Auswirkungen auf die Mobilität hatte.

 

Badischer Erfindergeist gegen klimabedingte Mobilitätskrise

Karl Drais
Karl Drais werkelte mit hölzernen Rahmen und Rädern und entwickelte eine Konstruktion, die er „Laufmaschine“ nannte

Aber könnte man das Pferd möglicherweise nicht durch etwas anderes ersetzen? Zum Beispiel durch ein Fahrzeug, das sich mittels menschlicher Muskelkraft antreiben lässt? Mit solchen Fragen beschäftigte sich im „Jahr ohne Sommer“, wie 1816 später genannt werden sollte, der badische Forstbeamte Karl Drais.

In seiner Werkstatt werkelte er mit hölzernen Rahmen und Rädern und entwickelte eine Konstruktion, die er „Laufmaschine“ nannte. Am 12. Juni 1817 war es endlich soweit: Drais schob sein 22 Kilogramm schweres Gefährt aus seiner Werkstatt, schwang sich auf dieses künstliche Pferd mit zwei Rädern und fuhr von Mannheim zur Schwetzinger Poststation im heutigen Mannheimer Stadtteil Rheinau.

Das Faszinierende: Für die Strecke, die hin und zurück ungefähr 14 Kilometer betrug, benötigte der Erfinder weniger als eine Stunde. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin knapp 15 Stundenkilometern.

Obwohl die Draisine, wie die Urform des Fahrrads bald nach ihrem Erfinder bezeichnet wurde, als Alternative zum Pferd überzeugen konnte, setzte sie sich zunächst nicht durch. Der Grund: Nachdem sich das Klima bis 1820 normalisiert hatte, sanken die Preise für Futtermittel erheblich. Und das machte auch den traditionellen Transport mit Reit- und Zugtieren wieder bezahlbar. Außerdem gab es auch immer wieder Zusammenstöße mit Fußgängern – weshalb die Erfindung von Karl Drais in vielen Orten verboten wurde.

 

Draisine
Draisine

Durchbruch der Idee „Fahrrad“ im Zuge der industriellen Revolution

Den echten Durchbruch als anerkanntes Verkehrsmittel erreichte das Fahrrad deshalb erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – im Zuge der industriellen Revolution. Denn in dieser Zeit begann die serielle Fertigung von Rädern, die nun bereits einen Pedalantrieb besaßen. Das Hochrad zeichnete sich dabei durch eine besondere Höhe des Vorderrades aus. Es wurde in der Zeit aus der kurz vorher entstandenen Draisine mit Pedalantrieb des Vorderrades (dem Velocipèd) entwickelt. Es konnte sich aufgrund größerer Geschwindigkeit gegen das Velocipèd durchsetzen.

Gleichwohl gab es in der Geschichte des Bikes immer wieder ein Auf und Ab, was sich nach Meinung vieler Experten meist aus den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erklärt. Zum Beispiel war das bekannte Hochrad noch ein kostspieliges Luxusprodukt, das nicht der Bewältigung des Alltags diente. Stattdessen nutzten es vor allem Dandys, um einen sportiven Lebensstil zur Schau stellen zu können.

Erst als Anfang des 20. Jahrhunderts die technische Entwicklung des Grundprinzips weitgehend abgeschlossen war und Hersteller wie Opel in Rüsselsheim die Fließbandfertigung begannen, wurde das Fahrrad wirklich massentauglich. Seine größten Erfolge erreichte das Fahrrad dabei in Großstädten – so wurde ihre Zahl beispielsweise in Berlin schon 1896 auf etwa 35.000 Exemplare geschätzt.

 
Hochrad
Das Hochrad wurde in der Zeit aus der kurz vorher entstandenen Draisine mit Pedalantrieb des Vorderrades (dem Velocipèd) entwickelt

Anfang des 20. Jahrhunderts: das Rad als massentaugliches Mobilitätskonzept für alle

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs setzte außerdem ein rapider Preisverfall ein: 1920 kostete ein Rad in Deutschland nur etwa ein Viertel des Vorkriegspreises. Mit der Folge, dass sich nun auch Arbeiterfamilien Räder leisten konnten. Dabei dienten sie nicht nur zur Fahrt zum Arbeitsplatz, sondern erlaubten auch Ausflüge an den arbeitsfreien Sonntagen in Naherholungsgebiete jenseits der Stadtgrenzen. Deshalb erstaunt es nicht, dass das Fahrrad gerade in Weimarer Republik eine besondere Hochzeit erlebte.

In der Nachkriegszeit war das Fahrrad dann in den zerstörten Städten sogar oft das einzige funktionierende Transportmittel. Viele Stadtbewohner nutzten es gerade vor der Währungsreform für „Hamsterfahrten“, um auf Dörfern Wertgegenstände gegen dringend benötigte Lebensmittel einzutauschen.

 

Das Image des Fahrrads: Auf und Ab zwischen Wirtschaftswunder und Ölkrise

In der Zeit des Wirtschaftswunders ging es mit dem Fahrrad jedoch bergab. Wer es sich leisten konnte, setzte auf die Motorisierung – Motorräder, der Kabinenroller und später Kleinwagen prägten eine Epoche, in der das Fahrrad zunehmend auf der Strecke blieb. Dem entsprechend galt verkehrsplanerisch die autogerechte Stadt als Leitbild.

Doch dann kam das Jahr 1973: Durch die Ölkrise und den damit einhergehenden Sonntagsfahrverboten wurde vielen Menschen erstmals die Tatsache vor Augen geführt, dass die natürlichen Ressourcen unseres Planeten begrenzt sind. Und mit dem gleichzeitigen Aufkommen neuer sozialer Bewegungen und dem wachsenden Umweltbewusstsein verbesserte sich das Image des Fahrrads erneut.

Dabei behielt das Auto zwar seine Bedeutung als Statussymbol, aber viele Vorteile des Radfahrens rückt wieder stärker in den Mittelpunkt des Interesses. Und das hatte gleich mehrere Ursachen: Krankenkassen und Ärzte empfahlen zum Beispiel, aus gesundheitlichen Gründen öfter Rad zu fahren. Und angesichts von Staus und nicht ausreichend vorhandenen Parkmöglichkeiten in den Innenstädten zeigte sich das Bike gerade bei Strecken von bis zu fünf Kilometern dem Auto oft als überlegen. Welche Bedeutung das Fahrrad heute für die Verkehrsentwicklung in großen Metropolen besitzt, zeigen Beispiele wie London, Los Angeles oder Kopenhagen.

 

Bikes heute und in Zukunft: Fortbewegungsmittel mit großer Zukunft

Auch in Deutschland gehen heute viele Großstädte daran, vermehrt Radwege anzulegen beziehungsweise auszubauen. Zusätzlich gibt es inzwischen in vielen Städten das Leihsystem StadtRad der Bahntochter DB Rent. In Hamburg umfasst das System inzwischen 1.650 Bikes, die an 129 Stationen entliehen und zurückgegeben werden können.

 

Für Kinder findet inzwischen eine Rückbesinnung auf die Anfänge statt:

Zu dieser spannenden Geschichte des Fahrrads lief in der Hansestadt an der Elbe von Mai 2014 bis März 2015 im Museum der Arbeit eine große Ausstellung. Das Fazit des Kurators: „Als Radfahrer ist man der Witterung ausgesetzt, was sowohl im Winter als auch im Sommer unangenehm sein kann. Aber das ändert nichts daran, dass das Fahrrad das Fortbewegungsmittel der Stunde ist und eine große Zukunft hat.“ Wenn Sie sich ausführlicher über dieses Thema informieren wollen, empfehlen wir das Begleitbuch zur Ausstellung: Mario Bäumer (Hrsg.): „Das Fahrrad. Kultur, Technik, Mobilität“, Junius Verlag, 216 Seiten, 24,90 Euro. Viel Spaß bei der Lektüre.